Wenn GPS-Tracks sprechen könnten

Geschichten in gelb

Die Navigation auf unserer Reise läuft über ein Tablet, das wir an geeigneter Stelle mit einer selbst gebastelten Halterung fixieren können. Und das zeichnet gleichzeitig  immer unseren GPS-Track auf, den wir durchs Wasser ziehen.

Und wenn man sich diese Tracks am Ende des Tages anguckt, dann ist das nochmal ein ganz anderer Blick zurück. Hier zum Beispiel die Ansteuerung von Loch Tabert, einem Binnensee, der nur durch eine sehr enge Zufahrt mit dem Meer verbunden ist. Da sind Strömungen nicht weit weg und genaues navigieren Pflicht, in diesem Fall sind dann weiss bepinselte Felsen als “Leitfeuer” hilfreich, im Dunkeln oder bei Nebel natürlich nicht.

Schön sind natürlich auch GPS-Momente, die anschaulich dokumentieren, wo man mal wieder kalt erwischt worden ist, hier wehte eigentlich eine 3 aus SW, doch von jetzt auf gleich semmelte eine 6 aus den Bergen auf uns nieder, das Boot wurde extrem luvgierig, das Reffen brauchte Zeit und plötzlich war abfallen keine Option mehr. Also zurückwenden, Reffvorgang beenden, inzwischen blies es mit einer 7 und das Dinghi, das wir bis dahin hinter uns her gezogen hatten, machte auch Probleme, also Q-Wende, um nicht zu schnell zu werden und dann Anlegen an einer zufällig da liegenden Mooringtonne, das Dinghi leer pumpen, verpacken und dann weiter fahren.

Etwas friedlicher ging es bei diesem Track zu. Eigentlich wollten wir in einem anderen Teil dieses Lochs ankern, da lief aber zuviel Atlantik-Schwell rein, deshalb wollten wir dann lieber ganz am Ende ankern, allerdings hatten wir bei 3.5 Metern Tidenhub ein ungutes Gefühl, was die Unterwasser-Topografie anging, eine kurze Lotfahrt rund um den  angedachten Ankerplatz verschaffte Klarheit. Danach schlief es sich ruhiger.

Das waren erst mal drei GPS-Schmankerl, weitere liefere ich noch nach, Ahoi

Die adaptive Ankerboje

Simple Lösung für Allerweltsprobleme

Wer kennt das nicht: da hat man schön eine Ankerboje gesetzt, aber dann ist die plötzlich gar nicht mehr da, wo sie hin gehört. Das Wasser ist inzwischen um 5 Meter gefallen und deshalb ist die Leine, die die Ankerboje direkt über dem Anker halten so, viel zu lang. 

Doch damit ist jetzt Schluss.

In einer Stunde der Muße habe ich eine bereits zum globalen Patent angemeldete Lösung gefunden, tatatataaa, die adaptive Ankerboje, zukünftig in Lehrbüchern auch Micha-Marker genannt. 

Man braucht dazu zwei fest verschließbare Flaschen, eine große, eine kleine, ein Seil, das die Länge der maximalen Ankertiefe plus 1 Meter haben sollte und einen Karabinerhaken.

An die beiden Seilenden werden die beiden Flaschen befestigt, wobei die kleinere wirklich deutlich kleiner als die größere sein soll, ein Volumen-Verhältnis von 1 zu 10 ist glaube ich optimal.

Die kleinere Flasche ist jetzt unter Wasser, will nach oben und hält so die Bojenleine unter Spannung. Funktioniert einwandfrei, wir haben es getestet bei 10 Meter maximaler Ankertiefe und 4.5 Meter Tidenhub.

Ich bin ein Mensch, der generell eher zur Zurückhaltung und zur Bescheidenheit neigt. Aber in diesem Fall, das muss ich schon sagen, sehe ich mich in einer Reihe mit Kolumbus und Magellan. Von Danksagungen und Geldaufwendungen bitte ich abzusehen. Ahoi

Und sie segeln doch

Eine klare Bootschaft an alle, die behaupten, wir würden nur mit dem Auto von Hafen zu Hafen fahren, es gäbe schließlich keine Bilder unter Segeln.

Segeln – eine spaßige Angelegenheit

Diese Fotos beweisen: wir segeln tatsächlich. Auf der Crusader, im Kanal, bei Wind und Wetter.

“Wer ist eigentlich auf diese beknackte Idee gekommen, hoch im Norden segeln zu wollen?”
Ja genau, und dabei möglichst viel Geld zu verbrennen, auf maximal ungemütliche Art und Weise!”
“Bei Lichtverhältnissen, die wirklich jeden Landschaft bedrohlich, düster und menschenfeindlich erscheinen lassen!”
“100 Hirni-Bonusapunkte übrigens auch gleich für den genialen Einfall, gleich drei Monate unterwegs zu sein, damit man den Sommer in Berlin auch wirklich komplett verpasst hat!”
Usw. usf.
Aber dann segelt man los, hat manchmal sogar ein paar sonnige Abschnitte und plötzlich ist alles ist wieder gut, weil man gerade an einer “Herr der Ringe”-Küste entlang segelt.
Und die Regenbogendichte ist schier sensationell.

PS Vielen Dank für die Fotos, Ina!