Wetter-Roulette – wie setze ich auf den richtigen Wind?

Segeln ist super, Hauptsache viel Sonne und kein Wind, sagt meine Freundin. Für mich darf es ruhig etwas mehr sein vom Motor für alle Segelboote, der Luft in Bewegung. Allerdings bitte auch nicht zuviel davon, denn Sturm kann in Knie zwingen, sogar lebensbedrohlich werden. So wie 1979 beim Fastnet Race durch die Irische See. Und weil wir mit unserem Törn auch genau da lang wollen, habe ich mit einem Profiwetterfrosch gesprochen, Meeno Schrader von der Wetterwelt GmbH, selbst sehr erfolgreicher Regattasegler, der als Meteorologe das deutsche Admiral’s Cup-Team und die britische Weltumseglerin Ellen MacArthur beraten hat.

Gezeitensegeln – Tipps vom Profi

„In Gezeitengewässern sind Situationen, wo 4 oder mehr Knoten Strom gegen 5 oder mehr Beaufort Wind laufen, unbedingt zu vermeiden! Das ist lebensbedrohlich!“, sagt Wilfried Krusekopf, der Papst des Gezeitensegelns. In Episode 3 von „Die Bootschaft“ geht Wilfried gemeinsam mit mir unseren Törnplan durch. An welchen Ecken muss man aufpassen, welche Route macht mehr Sinn; westirische Atlantikküste oder Irische See, welcher Anker ist für Gezeitengewässer der Richtige?

Brexit – was hat das mit uns zu tun?

Seit zwei Jahren quälen sich die Briten damit, in irgendeiner Form die EU zu verlassen. Die Brexiteers haben Argumente, die Remainer auch. Aber was da auf politischer Ebene abläuft, schadet allen: dem Kontinent, aber auch der Insel.

Ich bin wirklich gespannt, wie sich der weitere politische Prozess auf unseren Segeltörn in diesem Sommer auswirken wird. Es ist ein sehr interessanter Aspekt, das einmal mehr das Meer eine entscheidende Rolle in der Geschichtsschreibung spielt. Und wir sind mit unserem Boot wohlmöglich mittendrin statt nur dabei.

Wir hatten schon einmal die Situation, dass wir mit einer Segelyacht mitten auf dem Wasser Europa gespürt haben. 2014 waren wir in der Ägäis unterwegs, und eines Nachts taten sich merkwürdige Dinge im Hafen von Symi. Später stellte sich heraus, ein Schlauchboot mit syrischen Flüchtlingen hatte sich von der Türkei aus auf den Weg in den Hafen gemacht. Da deutete sich schon an, das 2015 ein besonderes Jahr werden könnte.

Jetzt sieht es so aus, als ob wir Zeugen eines schmerzhaften Ablösungsprozesses werden könnten, denn Ende Juni als Last Exit Brexit scheint eine Option zu sein, mal sehen, wie weit die Briten dann mit ihren Vorbereitungen sind, vielleicht verdienen wir uns als kleiner Fährverkehr im Kanal ja noch etwas dazu.

Docking like a Boss

Ein Boot in Fahrt muss man tendenziell nur auf Kurs halten, beim An- und Ablegen zeigt sich dann der Pro! Das erste Video hat auch gleich eine eigentlich ernste Botschaft, dich ich auch richtig finde. Kein Alk, solange man auf dem Wasser unterwegs ist – i like!

Arbeiten wie die Profis

Beim Fliegen sind es die Starts und Landungen, beim Autofahren das Ein- und Ausparken auf dem Wasser das An- und Ablegen: am Anfang und am Ende zeigt sich, wer es wirklich drauf hat. Eine nicht ganz ernst gemeinte Kompilation von Spitzenleistungen.

Docking like a Boss – Greek Style

Im zweiten Video ist die Diskussion in den Kommentaren interessant. Die einen halten das Manöver für völlig unverantwortlich, andere finden, griechische Kapitäne seien eben immer noch die besten der Welt, da habe sich seit Odysseus eigentlich nichts geändert.

Das Boot

Wenn ihr mal einen Blick in meinen Ausweis werfen würdet, dann würdet ihr feststellen, dass da nicht “Abramovic” drin steht. Soll heißen, das Budget für den Kauf eines Bootes war bei uns durchaus nach oben hin beschränkt. nach einigem Hin und Her haben wir dann eine Beneteau First 30 Baujahr 1978 gefunden. Gepflegter Zustand, ganz gute Ausrüstung, 2 komplette Segelsätze, Sturmfock, Standheizung, AIS.

30 Fuß, das ist vermutlich für viele nicht mehr als eine Nussschale, aber immerhin, das Boot hat innen Stehhöhe,  4 Personen sollten problemlos mit diesem Boot reisen können.

Der Vorbesitzer macht da auch einen sympathischen Eindruck, so dass wir nach einigem verhandeln für 16500 € Besitzer eines Bootes waren, das auf den Namen “Crusader” hört.

Am 20. April ist Krantermin, dann wird das Boot aus der Halle gezogen und ins Wasser gelassen. Der Mast wird gesetzt und dann machen wir zusammen mit dem Vorbesitzer einen Probeschlag, bei dem die Funktionsfähigkeit des Bootes überprüft wird. Wenn dann alles in Ordnung ist, werden wir die letzte Rate überweisen und uns dann angucken, was noch zu erledigen ist. So brauchen wir für den Außenborder des Beibootes eine Halterung am Heckkorb, das laufende Gut muss überprüft werden, wir brauchen noch neue Festmacherleinen, bei Tidenhub sollten davon reichlich an Bord sein, und die Funkanlage muss auch noch mal genau getestet werden.

Besonderes Augenmerk werden wir auf den Motor des Schiffes legen, einen Volvo Penta, der 1996 eingebaut worden ist, denn in Gezeiten-Gewässern ist ein gut funktionierender, zuverlässiger Motor wie eine Art Lebensversicherung.

Und hier für die Nerds unter euch, ich weiß doch genau, das ihr da händereibend vorm Monitor sitzt, hier noch die technischen Details:

LÜA: 9,15 m; Breite: 2,86 m; Tiefgang 1,70 m; Gewicht 3,45 t
Segelfläche: 46 qm (Groß 16 qm, Genua 30 qm), Rollreffanlage Fa. Haase
Segel: 2 Großsegel, 2 Rollreffgenuas (1 triradial), 1 Sturmfock, 1 Blister, Spibaum vorhanden
Motor: Volvo Penta 2002 13 kW (18PS) mit Saildrive und Faltpropeller
Kraftstofftank 60 l, Wassertank 130 l
Navigation/Technik: GPS, AIS, DSC-UKW Funk (ICOM 505), UKW-Frequenzweiche, UKW-Radio mit Außenlautsprechern; Autopilot, Echolot, Logge, kabellose Windmessanlage, Kompass, 3 wartungsfreie Batterien (je 100 Ah), Schnellladegerät, elektrische Bilgenpumpe, Eberspächer Standheizung, Kühlaggregat, je 2 12V und 220V Steckdosen, Gasanlage mit Herd, 2 Anker
Extras: Teak im Cockpit, Badeleiter, Sprayhood mit Cockpitpersenning (neu), Rumpflackierung mit Alexseal

2017 umfangreiche Motorraumsanierung mit Überholung des Saildrives inkl. Gummimanschette, Teilüberholung des Motors, neuer Kraftstofftank, neue Schaltung, neue Auspuffanlage

Wer ist eigentlich dieser Micha?

Ahoi,
Micha Hölzen mein Name, Berliner, seit 15 Jahren leidenschaftlicher Segler. Auf dem Wannsee fing alles an, die erste Kenterung, aber auch der erste Ausflug auf eigenem Bug mit gerade erworbenem Binnenschein – unbezahlbar. Danach hat mich das Segeln mit all seinen Facetten nie wieder losgelassen, Schritt für Schritt habe ich meinen Horizont erweitert und in diesem Sommer möchte ich eine ganz besondere Tour machen, von der ich schon lange geträumt habe: Rund England.

Wir haben extra nur für diesen Törn ein Boot (Beneteau First 30) gekauft, das wir danach sofort wieder verkaufen wollen.

Fast alle unserer Segelkollegen haben nur mit dem Kopf geschüttelt, beliebtester Spruch: „Wird am Ende sowieso teurer als Chartern!“ usw. usf. Auch diverse Bootshändler haben uns nur einen dreckigen Lacher in den Hörer gehaucht und wieder aufgelegt.
Uns ist völlig klar, wir werden Lehrgeld zahlen, reichlich, in der einen oder anderen Form, aber andererseits gilt: „no risk, no fun!“.


Und ich weiß aus vielen Gesprächen, dass auch andere schon ähnliche Gedankenspiele im Kopf durchgespielt haben, und für die ist es sicher ganz spannend zu sehen, ob wir mit unserem kruden Plan durchkommen oder grandios baden gehen werden.


Folgende Fragen werden uns sehr beschäftigen: Was muss ich beim Bootskauf beachten, welche Sicherheitsfeatures brauche ich, wie organisiere ich mir eine komplexe Navigation, die auch in den schwierigen Gewässern Schottlands zuverlässig funktioniert. Wie kriegen wir die richtige Balance hin zwischen „vorwärts kommen“ und „keine unnötigen Risiken eingehen“?
Wir wollen das ganze wirklich offen und ohne Schnörkel dokumentieren und mit einem Podcast für andere nachvollziehbar machen. Nicht belehrend sondern so, dass man einfach dabei sein kann, nur mit den Ohren!
Ich bin Radiomensch, und werde das Ganze auch während des Törns aus unserem schwimmenden Tonstudio fortgesetzen.

Der Plan

Wir haben eine Beneteau First 30 gekauft, Baujahr 1978. Und damit wollen wir ab Mitte Mai 2019 von Fehmarn aus Richtung Nordsee aufbrechen, den Kanal durchsegeln, bei Cornwall rechts abbiegen Richtung Schottland, dann zurück bis zur Norwegischen Küste, durch den Skagerak bis nach Stettin und zack, sind wir schon wieder in Berlin.

Klingt erst mal überschaubar, aber der Teufel liegt im Detail. Die vergangenen Wochen haben wir jeden Menge Zubehör angeschafft, einen neuen Anker, eine Rettungsinsel, ein Beiboot, einen Außenborder.

Welches Kartenmaterial kommt zum Einsatz, welche Versicherungen machen Sinn, wer will uns auf unserer Reise begleiten. Es gibt sehr viel zu erzählen bei diesem Projekt und das wollen wir in Form eines Podcastes leisten, dem man gerne zuhört, es geht uns nicht um die Selbstdarstellung, sondern darum, dieses besondere Erlebnis mit euch zu teilen, und vor allem die großartigen Facetten des Segelns darzustellen.

Episode 001 „Die Bootschaft“

Work less – sail more!

Diesen Spruch habe ich das erste Mal auf dem ausgewaschenen T-Shirt eines tiefenentspannten Seglers in der Karibik gesehen – und nie mehr vergessen.

Jetzt mache ich zusammen mit meinem Segelfreund Laurenz genau das! Drei Monate Auszeit, in der wir mit einem Ende 2018 gekauften Boot einmal Rund England schaffen wollen. Gezeitensegeln, rauhe Landschaften, schlechtes englisches Essen und segeln, bis der Arzt kommt.

Und danach soll das Boot ratzfatz wieder verkauft werden! Ob das klappt oder nur eine Milchmädchenrechnung ist, dass könnt ihr hier verfolgen. Mit dem Podcast „Die Bootschaft“

Hört euch an, wie es uns ergeht und haltet mit eurer Meinung nicht hinterm Berg. Gebt uns Tipps, kritisiert uns, gebt uns das Gefühl, das wir auf dem Wasser nicht allein sind. Segeln ist super, mit allen Höhen und Tiefen, und genau das wollen wollen wir hiermit weitergeben. Ahoi, Micha