Die adaptive Ankerboje

Simple Lösung für Allerweltsprobleme

Wer kennt das nicht: da hat man schön eine Ankerboje gesetzt, aber dann ist die plötzlich gar nicht mehr da, wo sie hin gehört. Das Wasser ist inzwischen um 5 Meter gefallen und deshalb ist die Leine, die die Ankerboje direkt über dem Anker halten so, viel zu lang. 

Doch damit ist jetzt Schluss.

In einer Stunde der Muße habe ich eine bereits zum globalen Patent angemeldete Lösung gefunden, tatatataaa, die adaptive Ankerboje, zukünftig in Lehrbüchern auch Micha-Marker genannt. 

Man braucht dazu zwei fest verschließbare Flaschen, eine große, eine kleine, ein Seil, das die Länge der maximalen Ankertiefe plus 1 Meter haben sollte und einen Karabinerhaken.

An die beiden Seilenden werden die beiden Flaschen befestigt, wobei die kleinere wirklich deutlich kleiner als die größere sein soll, ein Volumen-Verhältnis von 1 zu 10 ist glaube ich optimal.

Die kleinere Flasche ist jetzt unter Wasser, will nach oben und hält so die Bojenleine unter Spannung. Funktioniert einwandfrei, wir haben es getestet bei 10 Meter maximaler Ankertiefe und 4.5 Meter Tidenhub.

Ich bin ein Mensch, der generell eher zur Zurückhaltung und zur Bescheidenheit neigt. Aber in diesem Fall, das muss ich schon sagen, sehe ich mich in einer Reihe mit Kolumbus und Magellan. Von Danksagungen und Geldaufwendungen bitte ich abzusehen. Ahoi

Und sie segeln doch

Eine klare Bootschaft an alle, die behaupten, wir würden nur mit dem Auto von Hafen zu Hafen fahren, es gäbe schließlich keine Bilder unter Segeln.

Segeln – eine spaßige Angelegenheit

Diese Fotos beweisen: wir segeln tatsächlich. Auf der Crusader, im Kanal, bei Wind und Wetter.

“Wer ist eigentlich auf diese beknackte Idee gekommen, hoch im Norden segeln zu wollen?”
Ja genau, und dabei möglichst viel Geld zu verbrennen, auf maximal ungemütliche Art und Weise!”
“Bei Lichtverhältnissen, die wirklich jeden Landschaft bedrohlich, düster und menschenfeindlich erscheinen lassen!”
“100 Hirni-Bonusapunkte übrigens auch gleich für den genialen Einfall, gleich drei Monate unterwegs zu sein, damit man den Sommer in Berlin auch wirklich komplett verpasst hat!”
Usw. usf.
Aber dann segelt man los, hat manchmal sogar ein paar sonnige Abschnitte und plötzlich ist alles ist wieder gut, weil man gerade an einer “Herr der Ringe”-Küste entlang segelt.
Und die Regenbogendichte ist schier sensationell.

PS Vielen Dank für die Fotos, Ina!

Jules Vernes Yacht

Knallrot, komplett aus Eisen, geschraubtes Deck

Andrew Baldwin ist eigentlich Schmied, doch irgendwann beschließt er, die künstlerische Seite in sich auszuleben, stellt Skulpturen aus Eisen her, bestreitet so seinen Lebensunterhalt.
Ich sehe Andrew das erste Mal am Steg von Dartmouth, aber nur, weil mein Blick sich nicht von seinem Boot lösen kann, der Scary Mary 2. Acht Meter Eisen, geformt zu einem Yachtrumpf, ein frei stehender Mast der mit seinen Verstrebungen an einen Strommast erinnert.

Barfuß bei 15 Grad – very british

Das ganze Boot hat Andrew mit seinen eigenen Händen gebaut. Alles, vom Kiel bis zum Verklicker. Und das Beste daran: Andrew hat keine Ahnung vom Bootsbau, wenig Durchblick beim Segeln, das hat ihn aber nicht davon abgehalten, mit der Scary Mary 1 bis nach Island zu segeln um das Boot dort dann direkt auf den Strand zu setzen.

Es geht alles aber alles gut, Andrew bringt sein Boot an Land und hat schon den nächsten Plan in der Tasche. Er will Island einmal auf dem Landweg umrunden, mit einem selbstgebauten Trailer, nur mit Muskelkraft betrieben. Wieder so eine durch und durch britische Herangehensweise, die die isländischen Behördenvertreter eher irritiert. Nach gerade mal 10 Kilometern wird das Vorhaben gestoppt und Andrew kurzzeitig verhaftet.

Schiff mit Muskelantrieb

Wir kommen ins Gespräch, schnell ist klar, Andrew ist Brite durch und durch. Extrem freundlich und zuvorkommend, und im besten Sinne des Wortes auch ein bisschen spleenig.

Sportliche Kabinenausstattung

Die Scary Mary 1 hatte offenbar einige segeltechnische Schwachpunkte, also wird jetzt die Scary Mary 2 gebaut. Vier Jahre braucht Andrew, bis er das Boot zu Wasser lassen kann, gaffelgetakelt mit Segeleinzelanfertigungen, das Groß für 2000, die Genua für 350 Euro.
Abends bei einem (zwei,drei) Ale erzählt er mir, das er diesmal nach Grönland will. Andrew kommt aus Sandwich in der Nähe von Dover, hat genau wie wir gefühlte Ewigkeiten für seinen Weg nach Westen gebraucht. Seit Wochen studiert er die Winde auf dem Atlantik um dann das richtige Wetterfenster für seine Passage zu erkennen und zu nutzen.
Wir reden über die unruhigen Zeiten, in denen wir Leben, über den Brexit. Ein Besuch an Bord seines Bootes gibt neue Einblicke. Die Scray Mary 2 ist mit allem ausgestattet, was ein Boot für Langfahrt braucht, die gesamte Windsteueranlage hat Andrew selbst konzipiert und gebaut. Und sie funktioniert.

Komfort findet man unter Deck allerdings nicht, alles ist sehr spartanisch, Stehhöhe gibt es nicht, hier fühlt sich langfristig nur jemand wohl, der ein Einsiedlerdasein gewohnt ist.
Aber weltfremd ist der Mann, der das alles gebaut hat, nicht. Sondern sehr freundlich, dem Leben zugewandt und mit einem sehr warmen Blick für das Wesentliche.
Pass auf dich auf Andrew, take care und gute Fahrt!

Segeln bis die Trikolore kommt – Nordfrankreichs Küste

Nach dem Gegenwind ist vor dem Sturm

Nach dem Ritt durch die Straße von Dover, der mit einstündigem Platzregen, Sicht unter 100 Metern, Blitz und Donner und einem aus dem Nichts auftauchenden Rennboot seinen Höhepunkt erreichte, landeten wir in Boulogne sur Mer, das wir aber am nächsten Morgen um 7 Uhr gleich wieder verließen. Die Prognose versprach einen Amwind-Anlieger, der sich aber nach drei Stunden auch schon wieder erledigt hatte, weil der Wind rapide auf eine schwache drei runter ging. So konnten wir wenigstens die Segel oben lassen und mit Maschinenunterstützung die 50 Seemeilen nach Dieppe in einem Rutsch absolvieren. In Dieppe ging es dann erstmal nicht mehr weiter, weitere 50 Seemeilen gegen an kreuzen hätten eine 20-Stunden-Schicht bedeutet und die Stadt hat außerdem sehr viel zu bieten. Eine wunderschöne Lage, einen sehr schönen Hafen und wirklich gute französische Restaurants. Und da ein Sturmtief in atemberaubender Geschwindigkeit im Anmarsch war, haben wir beschlossen, dass genau hier abzuwettern.

Hier konnten wir dann Gas, Diesel, Wasser und Vorräte nachbunkern und außerdem der französischen Käsekultur die Ehre erweisen. Wie sagte schon olle de Gaulle verzweifelt: “Wie wollen sie ein Land regieren, dass 246 Käsesorten kennt.”

Die Kalksandsteinküste ist wunderschön, aber was in Dieppe am meisten beeindruckt, ist wirklich das Wasser. Wir kamen bei Niedrigwasser an, mussten eine Landungsbrücke steil hochsteigen, um die hohe Kaimauer zu überwinden. Sechs Stunden später stand dieser Landungssteg waagerecht, wir lagen schlicht 8 Meter höher. 8.10 Meter Tidenhub bei Springzeit, und von der Verschiebung dieser gigantischen Wassermassen bekommt man außer hier und da ein bisschen Strömung nichts mit. Das war schon sehr  beeindruckend.

Die ganze Alabaster-Küste hat sehr viele schöne Ecken zu bieten, und das Sturmtief bescherte uns am nächsten Tag am Molenkopf der Hafeneinfahrt von Dieppe.

Alles weitere wie immer als Podcast: Episode 13 ist gerade raus. Bleibt dran, Ahoi.